Toettchen

Ninotschka

| 4 Kommentare

Seit Tagen plage ich mich mit einem widerlichen Virus herum. Da hat man zu Nichts Lust – bestimmt nicht zum Kochen. Gestern kam dann ein Nachbar, der mir „Träuble“ brachte. „Träuble“ – das sind rote Johannisbeeren. Was tun? Verkommen lassen wollte ich sie nicht und hatte mich schon entschlossen, sie weiter zu schenken, als mir eine alte Geschichte in den Sinn kam.
Meine Großmutter stellte immer „Upgesetten“ aus schwarzen Johannisbeeren her. „Upgesetten“ ist ein traditionell, fruchtiger Likör, der bei jeder Gelegenheit getrunken wurde und auf der Tagesordnung stand. Und weil er meist unter 20 % Alkohol enthielt, konnte man gut ein Pinnchen mehr davon trinken. Für die, die sich unter einem Pinnchen so nichts Rechtes vorstellen können: in Süddeutschland heißt das Ding Stamperl – ein genormtes Schnapsglas. Wobei ein Pinnchen immer einen breiten festen Fuß hat und meist einen roten Rand als Eichmarkierung.
ninotschka
Die alte Geschichte? Nun, schon als Kind las ich alles – auch die Bäckerblume, dazu das Wochenblättchen vom Edeka Kaufmann Düwel und was sonst so ins Haus flatterte. Gott sei Dank gab es noch nicht so viel Reklame. Und eines Tages entdeckte ich ein „großartiges“ Rezept für einen außergewöhnlichen Likör (wie ich damals dachte): Ninotschka. „Nehmen Sie doch einfach einmal rote, anstatt schwarze Johannisbeeren und geben eine Tütchen Dr. Oetkers Vanillin dazu“, las ich. Ninotschka klang russisch und euphorisch erzählte ich beim Mittagstisch, dieses Jahr müssen wir auch russischen Aufgesetzten machen, ich hab das Rezept im Heft vom Düwel gefunden. „Mein Gchott ne“, sagte die Großmutter, “ datt sinn ja nur rote Johannisbeeren“. Und da bei uns die Tradition hoch gehalten wurde, gab es wie jedes Jahr „Upgesetten“ aus schwarzen Johannisbeeren, die roten wurden zu Gelee verarbeitet, den es am Nachmittag zu gebutterten Beschüten (Zwieback) gab.

Und jetzt war die Gelegenheit, dieses Jahr gibt es „Ninotschka“. Was doch so ein fremd klingendes Wort anrichten kann. Ich bin gespannt wie er schmecken wird. Und wie ich ihn gemacht habe?

Jede Flasche halb voll mit roten Johannisbeeren, Grümmel (feiner Kandis) drauf und mit Korn aufgefüllt. Und damit es was wird, habe ich den guten Korn von Sasse aus Schöppingen genommen.

Print Friendly, PDF & Email
Share on Facebook

4 Kommentare

  1. Und wie lange muss man das lagern, bevor man’s süffeln kann? Krieg ich davon auch zu probieren?

  2. Ich denke mal so lange, bis die Tage kürzer werden und die Kälte durch die Ritzen hineinzieht. Dann am warmen Ofen könnte er Dich zusätzlich innerlich erwärmen. Ich füll ein Fläschchen ab und sende es ins Emmental. Für Nebenwirkungen wie ungehemmtes Singen, Tanzen und ähnliches übernehme ich keine Garantie.

  3. Gute Besserung erst einmal! Und schon wieder hast du das Rezept zu spät gepostet. Meine roten Johannisbereren sind mir den Resterdbeeren in ein köstliches Gelee transformiert worden… Aber das geht sicher auch später noch mit Schlehen oder Brombeeren. :-)

  4. @ eva

    … ich bin immer etwas zu spät. Tut mir leid.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


*

Diese Seite benutzt Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmen Sie dem zu. Datenschutzerklärung