Toettchen

Langos oder „Her mit dem Gemüse Mama“

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„Es ist leider so: Fettige Pommes und pampiger Süßkram sind vielen Kindern näher als Obst und Gemüse. Doch das ändert sich mit diesem lustig illustrierten Ratgeber! Er liefert besorgten Eltern sechs Strategien, mit denen sich kleine Gemüsemuffel in große Gemüseliebhaber verwandeln. Zu jeder Strategie – vom „Untermogeln“ über kindgerechtes Zubereiten bis zur Gemüseparty – gibt es fünf originelle Lieblingsrezepte, die auch dem Rest der Familie wunderbar schmecken. Dieses Buch garantiert schnellen Erfolg, vertreibt den Stress und bringt dafür gute Laune an den Esstisch.“
Dieser kurze Ausschnitt stammt aus dem gleichnamigen Buch „Herr mit dem Gemüse Mama“. Es fiel mir zufällig in die Hand. Denken Sie bitte nicht, ich würde so etwas kaufen. Und wieder einmal stellte sich mir die Frage, wofür es solche Bücher gibt, außer dass die schreibende Oecotrophologin und der Verlag damit eine Menge Geld verdienen.
7 Strategien, um Kinder zum ernährungsbewussten – ja was eigentlich machen soll? Der 1. Tipp heißt „Untermogeln“. Warum?
Meine Kinder sind inzwischen alle erwachsen und bei jedem habe ich einen individuellen Weg zum Feinschmecker erlebt. Fl. sagte mal als 5 Jähriger zu einer Nachbarin, die ihm eine Süßigkeit anbot: „Nein danke, da ist Farbstoff drin.“ Unglaublich, und mir war urplötzlich klar, dass es so auch nicht sein darf. Keines meiner Kinder gehörte zu denen, die mit einer Möhre am Band um den Hals auf den Spielplatz gingen. Das hatte sich bald aber verloren, dass mit dem Farbstoff. Als er das erste Taschengeld bekam, setzte er dies von nun ab regelmäßig in allerlei Süßkram um. Farbstoff hin oder her, das spielte keine Rolle mehr.  Inzwischen ernährt er sich bewusst und ist  überzeugter Vegetarier.
Eine Klassenkameradin von Fl. erzählte in der Schule, dass ihr Lieblingsessen Artischocken seien. Das war nicht ausgefallen. Das Mädchen erlebte, wie genussvoll die Eltern die Artischocke Blatt für Blatt rupften, in eine Sauce tunkten und dann voll Behagen den fleischigen Teil abzuzelten. Und irgendwann  hat sie es auch probiert und als köstlich empfunden.
Jedes Kind hat seine Schnitzel, Pommes oder Spaghettiphase – und die sollte man ihm lassen. Da kann ich viele Male Magerquark mit Kräuter anrichten und Rohkost wie eine Sonne rundherum legen (Tipp aus o.g. Buch); das wird nichts. Ein anderer Tipp im Buch: „Gemüse im Knusperkörbchen“. Auf dem Foto sieht man ein Körbchen aus Filotteig, gefüllt mit Rahmspinat. O.K. – im Rezept haben sie noch Käse untergemischt. Aber ein Kind, das keinen Spinat mag, mag auch keinen Spinat im Filotteigkörbchen. Der Widerwille kann ja die unterschiedlichsten Ursachen haben. Ich esse ja auch keine Dinge, die mich anwidern. Welche Kinder brechen in Jubel aus, wenn sie am Mittag heimkommen, eventuell einen Freund oder eine Freundin mitbringen, und dann stehen da Vollkornbratlinge und ein kleines Rohkostbuffet anstatt der erhofftem Spaghetti mit Tomatensauce oder Griesschnitten mit Kompott. Immer wenn Essen schmeckt, schreiten Ernährungswissenschaftler ein und fordern eine gesunde Ernährung. Vor kurzem las ich, dass das Fach Oekoantrophologie 7000 Studierende in Deutschland hat, und viele von diesen Studenten können Essen einfach nicht mehr genießen. Wenn Kinder schon im Kindergarten lernen, was „gesund“ sein soll, obwohl ihr Stoffwechsel dazu eine ganz andere Meinung hat, dann ist dies der erste Schritt auf einem Weg zu lebenslangem Ernährungsstress, der bis zu Essstörung führen kann.
Die meisten werden das kennen: Ich gehe mit Kinder in ein Restaurant und schon kommt eine separate „Kinderkarte“. Warum muss man sich das dann antun: Im „Restaurant im Park“ in Prüm gibt es „Bob den Baumeister“ = klar! Schnitzel mit Pommes. Im besten Fall heißen die Gerichte wie bekannte Comicfiguren. Kann man Kinder da eigentlich nicht ernst nehmen. Und wenn das schon sein muss, warum  nicht die Phantasie spielen lassen?  Meine liebten „Quatsch mit Sauce“! Ja, ich weiß,  das gibt es nicht, aber so hieß dann alles, was sie von Kinderkarten aussuchten und Sauce dabei war. Dankenswerterweise habe ich auch schon Restaurants besucht, die für Kinder das Gleiche wie für die erwachsenen Gäste anbieten, mit dem freundlichen Zusatz „für Kinder in kleinen Portionen“.
Essen sollte Freude bereiten – gerade Kindern, die man zum Feinschmecker erziehen kann. Dazu gehören eben Nudeln, Pommes, Schnitzel und auch mal Hamburger. Wie sind die begeistert, wenn wir ins Gasthaus „Zum Goldenen M“ gingen. Hunderte Fooddesigner haben daran gearbeitet, dass das Zeugs schmeckt. „Mouthfeeling“ heißt das in der Fachsprache. Irgendwann haben wir das mal auseinander genommen. Erst das Labberbrötchen, dann diesen fleischähnlichen Belag und Tomate und Salat hinterher. Jedes für sich kostet Überwindung, das in den Mund zu stecken (bis auf Tomate und Salat). Danach hatten Hamburger viel von ihrem Reiz verloren, aber was kann man gegen dieses absolut unnütze Giveaway machen, dass in den Kinderboxen drin liegt. Und am meisten machten ihnen echte „Mampfparties“ mit Freunden Spaß. Nach dem Motto „all you can eat“ buk der Vater Langos oder diese kleinen vietnamesischen Frühlingsrollen. Das war nicht unbedingt gesund, aber es war ein Abenteuer und hat geschmeckt. Wenn ich heute sage: „Weißt Du noch, das „Flühlingslollenwettessen“? – erinnern sich alle, aber wenn ich sie nach Vollkornnudeln mit Brokkoli frage, dann verziehen sie auch jetzt noch das Gesicht.
langos
Backen Sie mal Langos, die ungarische „Pizza“. Auf dem Tisch standen Teller mit dem Belag und jedes Kind konnte sie selber belegen. Das geht von süß bis sauer und salzig.
Lángos oder Langosch ist eine ungarische Brotspezialität. In der einfachsten Form besteht er aus einem Fladen aus Hefeteig, der in einer Pfanne in reichlich Fett gebacken wird. (Ich nehme dafür einen Wok) Ursprünglich bestand Lángos aus Brotteig, der in der Backstube an der Öffnung des Backofens nahe der Flamme gebacken wurde.
Fertig gebacken kann der Lángos mit Knoblauchwasser oder mit Tomatensauce eingepinselt werden. Etwas reichhaltigere Varianten sind mit Sauerrahm oder allerlei geriebenem Käse, Paprika, Tomaten oder Salamischeiben. Der süße Langos wird mit Marmelade bestrichen oder mit Zucker bestreut.
Früher fand man überall in Ungarn Langosbuden, die aber aufgrund der Übermacht von Fast-Food-Ketten stark zurückgedrängt wurden.

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Ein Kommentar

  1. Ach, Du sprichst mir doch aus dem Herzen. Dieses Theater, das wegen der Kids oftmals an Tischen veranstaltet wird, ging und geht mir seit Jahren auf den Zeiger. Wenn ich mich so umgucke und sehe, dass da in manchen Haushalten für die Kids immer eine Extrawurst gebraten wird, weil der kleine Sven-Maximilian keine Kartoffeln mag, Reis bitte auch nicht, nur ein bisschen Nudeln. Dafür isst Stella-Alessandra seehr gerne Kartoffeln, aber nur in Form von frittiereten Stäbchen. Bei den Nudeln hingegen…
    Und Gemüse… eben, das wird versteckt oder man versucht die Kids mit blöden Gemüsevisagen zum Verzehr des Zeugs zu animieren. Dabei wäre es eigentlich so einfach: Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Ende der Diskussion!

    Ich hatte darüber auch mal geschrieben im Post und in den Kommentaren von «Ein ganz normales Mittagessen»:
    http://wildespoulet.blogspot.ch/2012/10/ein-ganz-normales-mittagessen.html

    Gut, ich räume ein – manchen Kids kann ich nicht verübeln, dass sie das Futter verweigern. Herrjee, manche Leute können einfach grad gar nicht kochen. Ich hatte mal so eine Nachbarin, da habe ich mir jeweils gewünscht, dass die mal einfach eine Tüte Fertigfutter in die Pfanne haut.

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