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Groppenfasnacht und Fasnachtschiecheli

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groppenfasnacht_grafikLange nach Aschermittwoch, wenn die rheinischen Karnevalisten ihre Uniformen und jecken Verkleidungen eingemottet haben und die Hästräger der schwäbisch-alemannischen Fasnet bereits von der kommenden Fasnacht träumen (`S goht dagege!) – und auch die Basler Fasnacht nur noch in Träumen hinterher hängt, beginnt im Dörfchen Ermatingen am Untersee die allerletzte Fasnacht des Jahres. Es ist die Groppenfasnacht.
Der Gropp ist ein Knochenfisch, der Jahrzehnte lang im Bodensee als Folge der Gewässerverschmutzung als ausgestorben galt. Heute ist der kleine Raubfisch wieder vereinzelt im See zu finden. Seine frühere Population wird er aber kaum jemals wieder erreichen. Das Gleiche gilt für seine kulinarische Bedeutung. Der kleine Fisch, dessen Fleisch von Knochen und Gräten durchsetzt ist, entspricht nicht mehr den Ansprüchen der heutigen Fischliebhaber.
gropp
Das war vor 100 Jahren noch ganz anders. So schrieb der Heimatforscher Franz Wichmann über die Groppenfasnacht im Jahre 1896: „Das große Schleppnetz der Ermatinger liefert oft auf einen Zug ein Beute von 20’000 Stück dieser schmackhaften Seebewohner, die lebend bis zu ihrem Ehrentag aufgespart werden, um dann, mit Salz bestreut und in Pfannen gebraten, als seltene Delikatesse verspeist zu werden.“ Dass das Fischervolk seine Frühlingsfeier an den ersten Groppenfang im Jahr knüpfte, ist durchaus natürlich. Da der nicht so tiefe Untersee fast jeden Winter wenigstens teilweise zufriert und dadurch den Fischfang auf das geringste Maß beschränkt, begrüßen auch heute die Fischer mit dem ersten Fischfang den Wiedereinzug des Lenzes. Bei der Groppenfasnacht in Ermatingen, die am „Sonntag Laetare“, drei Wochen vor Ostern stattfindet, wird „der Gropp“ als überdimensionierte Fischfigur mit kleinem, goldenem Krönchen durchs Dorf gezogen. Alle drei Jahre gibt es einen besonders großen Umzug, so auch in 2013. Frühlingshaft oder satirisch geschmückte Wagen folgen dem Tross.
Mit großer Wahrscheinlichkeit entstammt die Groppenfasnacht einem altgermanischen Frühlingsfest der hier heimischen Fischer. Doch der Volksmund erzählt dazu verschiedene päpstliche Entstehungslegenden.
gropenfasnacht
Zu Beginn des 15. Jahrhunderts gehörte das ärmliche Fischerdorf damals zum Bistum Konstanz und soll während der turbulenten Ereignisse am dortigen Konzil von 1414 bis 1418 mehrfach von geistlichen Würdenträgern besucht worden sein. Wer den Ermatingern aber die Fasnacht bescherte, ist unklar. Es gibt verschiedene Versionen dieser Legende. Die aber am verbreitesten und deshalb für die Festlegung des Gründungsdatums ausschlaggebend, ist jedoch die folgende Version. Sie besagte, dass die Groppenfasnacht auf Johannes XXIII zurückgeht. Dieser kam 1414 als amtierender Papst nach Konstanz, verlor hier jedoch schnell an Einfluss. Als im März 1415 eine Klageschrift gegen ihn vorbereitet wurde, soll er aus Konstanz geflohen sein. Als Botenreiter verkleidet, habe er schließlich bei Pfarrer Loffar in Ermatingen übernachtet. Dieser habe ihm zum Abendessen ein leckeres Fischgericht, eben diesen Groppen vorgesetzt. 1902 resümierte die Frankfurter Zeitung in einem Bericht über die Groppenfasnacht: «In beiden Fällen der Papstbesuche stimmen die Daten auffällig mit dem traditionellen Datum der Groppenfasnacht überein, so dass sich mit gutem Willen doch ein Zusammenhang zwischen Legende und Geschichte konstruieren lässt».
fasnachtskuechli
Wie bereits gesagt, als kulinarisches Ereignis taugt der Gropp nicht mehr. Dafür sind die Fasnachtschiechli bei Groß und Klein umso beliebter. Die Zubereitung ist wohl nicht ganz einfach, darum kaufe ich sie immer fertig. Für den, der es ausprobieren will, gebe ich wenigstens das Rezept aus Wikipedia wieder.
fasnachtskuechli_1
Der Teig besteht im Wesentlichen aus Eiern, Rahm, und Mehl und hat die Konsistenz von weichem Hefeteig. Ein pflaumengroßes Stück wird dünn kreisrund ausgewallt und dann über dem (mit einem Küchentuch bedeckten) Knie papierdünn ausgezogen. Der Teigling ist dann einiges grösser als der Topf. Er wird ins heiße Fett gelegt und mit zwei Holzlöffeln auf die Topfgröße zusammengedrückt, so dass er Wellen wirft. Er wird einmal gewendet und knusprig durchgebacken und noch warm mit Puderzucker bestäubt.

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3 Kommentare

  1. Danke für den spannenden Bericht über die Groppenfasnacht. Das sind so Lokalbräuche, die man überhaupt nicht kennt, wenn man nicht in der unmittelbaren Umgebung wohnt. Ich lese solche Berichte über alte Brauchtümer sehr gerne.

    Der Gröppu (Groppen) gibt es übrigens in Bern auch, und zwar im Mattenbach, einem kleinen Nebenbach der Aare. In diesem kanalisierten Gewässer schwimmen nur Groppen. Es gibt in Bern sogar einen Brunnen mit einer bronzenen Groppenfigur drauf (http://www.matte.ch/mattearchiv/mattebach.htm).

  2. Danke für den schönen und informativen Bericht. Ich wohne nur 7 Kilometer von Ermatingen entfernt und vieles habe ich noch nicht gewusst.
    Liebe Grüsse
    Maya

  3. @ wilde Henne

    Ich bin auch immer von den lokalen Bräuchen angetan und werde auch im Laufe des Jahres noch das eine oder andere vorstellen.
    Und ich weiß jetzt, dass ich doch mal wieder nach Bern fahren muss, weil ich dort viel zu wenig kenne. Danke für den Tipp!

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