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Gerichte mit Geschichten 1 – Wiener Leber in Rahm

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Dass ich Geschichten mag, hat sich in Blogerkreisen herumgesprochen. Jetzt will ich aber keine eigenen Geschichten erzählen, sondern Auszüge aus der Literatur nehmen, in denen Gerichte vorkommen, die ich nachkoche.

Ich beginne mit einer Erzählung von Herbert Rosendorfer
Um seinen Lebensabend zu verbringen, ist der Schriftsteller Herbert Rosendorfer zurückgekehrt in seine Heimat Südtirol, wo er seit 1997 in Eppan in einem alten herrschaftlichen Gebäude, umgeben von Obstgärten, wohnte. Die längste Zeit seines Lebens aber hatte er in München verbracht, wo er Jura studierte und später als Amtsrichter wirkte. Nach Feierabend aber saß er am Schreibtisch und verfasste Romane und Erzählungen – witzige, feine Stücke Literatur, deren Qualität von der Kritik häufig unterschätzt wurde.
Seine Einstellung zur Literatur beschrieb er selber einmal in einem Brief an eine Schulklasse so:
„Ich glaube nämlich, dass die Literatur nicht imstande ist, die Gesellschaft zu beeinflussen. Ich kenne kein Beispiel aus der Geschichte, dass eine literarische Richtung etwa eine Revolution hervorgerufen hätte… Ich versuche also, jedes direkte Engagement zu vermeiden. (Es ist ja auch ein alter Hut, und wer wüßte das besser als Schüler: je direkter etwas einem gesagt wird, desto weniger wirksam ist es. Wenn man etwas erreichen will, muß man es hintenherum versuchen). Was bei mir – vielleicht – als mein gesellschaftliche, politische und sonstige Auffassung in meine Arbeiten einfließt, sind altmodische Dinge, die heute gering im Kurs stehen: das Verlangen nach Freiheit, nach Unabhängigkeit, nach Toleranz und – man traut es sich fast nicht mehr zu sagen – nach Menschlichkeit.“
sahneleber
Schlittenfahrt
Stühle wurden gerückt, der Wirt rieb sich die Hände, unzählige Mäntel wurden abgelegt, der Kutscher spannte draußen die Pferde aus … Im Folgenden begleitete die Fröhlichkeit der Schlittenpartie das Klingen der Messer und Gabeln über den Schnitzeln und Koteletten, über dem wacholderduftenden Kraut, über den knusprigen Kartoffeln, über den faustgroßen Knödeln, mit brauner Butter übergossen, aus denen die roten Speckbröcklein lugten, über der Leber in Rahmsauce für meine Großmutter (ihr Leibgericht) und über die gedünstete Zunge und den aufgeplatzten leicht angerösteten Bratwürsten für meinen Großvater, und wurden hie und da unterbrochen durch das Klingen der kleinen, bauchigen Weingläser.

aus: Winterfreuden / hrsg. von Susanne Gretter / 2009 / Insel Verlag Leipzig

Wiener Leber in Rahm
Zutaten:
2 – 3 Zwiebeln
50 g Schmalz
500 g Kalbsleber
2 – 3 EL feine Semmelbrösel
Salz, Pfeffer
1 Becher süße oder saure Sahne

Zubereitung
Zwiebeln fein würfeln und in 1 EL Schmalz glasig braten.
Leber in Streifchen schneiden, in Semmelbrösel wenden und mit dem restlichen Fett zu den Zwiebeln geben und kräftig weiterbraten, bis die Leberstücke Biss haben und von allen Seiten goldbraun sind.
Jetzt würzen und mit der Sahne aufgießen und verrühren.

Ich mag es am liebsten mit Kartoffelpüree.

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6 Kommentare

  1. Als ich von einem längeren USA-Aufenthalt zurückkam, habe ich mir von meiner Mutter Leber gewünscht. Traditionell mit Röschti!!! Mmmhhh.
    Mit Brösmeli muss ich mal ausprobieren.
    Frau A. vom Bodensee

  2. Ich mag auch Gerichte mit Geschichten, eine schöne Idee…. ich hoffe, Du setzt diese Serie fort.

    Ach ja, für mich bitte auch mit Kartoffelpüree.

  3. Es gibt kaum etwas feineres für mich als Kalbsleber. :-)
    Und dass ich deine Geschichten liebe, weißt du!

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