Toettchen

Gemischter Satz – eine neue Erkenntnis

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GroszerWein_GemSatz2013_freiEinst eine Alltäglichkeit ist er heute eine Rarität: der Wein vom Gemischten Satz. Einige wenige damit bestockte Parzellen gibt es noch im Fränkischen. Daraus gekelterter Wein kann den Weingenießer beglücken. Und den Naturschützer erfreuen.
Diesen Satz las ich vor einiger Zeit in einer Mitteilung der Arche des Geschmacks. Für jene, die die Arche nicht kennen sollten: Das internationale Projekt „Arche des Geschmacks“ der Slow Food Stiftung für Biodiversität schützt weltweit rund 1450 regional wertvolle Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen vor dem Vergessen und Verschwinden, die unter den gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen am Markt nicht bestehen oder „aus der Mode“ gekommen sind.
Gemischter Satz: Gesetzt werden verschiedene Rebsorten, auch weiße und rote, durcheinander in einem Weingarten und war einst die übliche Art des Weinbaus überall in Europa. Wahrscheinlich entstand diese Art der Kultivierung, um wenigstens einen Teil der Ernte bei schlechten Witterungsbedingungen, Rebkrankheiten oder Schädlingsbefall ins Fass zu retten.
In Deutschland gibt es wieder einige Winzer, die diesen Wein in Franken anbauen. Überwiegend wird er aber in Österreich produziert und hier vor allem in Wien und der Steiermark. Es gibt für die Wiener Weine eine eigene Bezeichnung: Der Wiener gemischte Satz. Dieser typische Wiener Wein wird seit Jahrhunderten in Wiens Weingärten gepflanzt, die mit bis zu 20 verschiedenen Rebsorten bestückt sind. Im Gegensatz zum Cuvee werden dabei mehrere Rebsorten gemeinsam angebaut und nach der Lese auch gemeinsam zu Traubenmost gekeltert und vergoren. Durch die unterschiedlichen Reifegrade und den unterschiedlichen Säuregrad der Rebsorten wollte man ursprünglich das Risiko minimieren und eine gleichbleibende Weinqualität sichern. Die Vorschrift für den gemischten Satz besagt, dass mindestens 3 Weinsorten zusammen und gekeltert werden müssen.
Nun bekam ich vor einigen Tagen als Gast das erste mal einen „Gemischten Satz“ angeboten. Er kam aber aus einer weiteren österreichischen Region: dem Südburgenland vom Eisenberg. Hier hat der gebürtige Würzburger Matthias Bach erfolgreich versucht, den Eisenberg in Flaschen zu füllen. Seine Name: Groszer Wein / Gemsichter Satz. Die Bezeichnung „Groszer Wein“ leitet sich übrigens vom Füllvolumen ab, denn es werden ausschließlich in 1-Liter-Flaschen verwendet, die bis vor etwa 40 Jahren das klassische Behältnis für Weine aus dem Südburgenland (und ganz Österreich) darstellten. „Aber nicht nur deshalb, sondern auch, weil eine 0,75-Flasche für zwei Personen immer zu wenig ist. Außerdem ist Wein im Südburgenland ein Genussmittel für jeden Tag und da passt in die kleine 0,75-Flasche einfach zu wenig hinein.“ (Zitat des Weinbauern Krön)
Dieser Wein hatte alle in der Runde begeistert. Wenn ich ihn beschreiben sollte, fällt mir nur ein Begriff dazu ein. Der gemischte Satz ist ein molliger Wein.
Ich weiß nicht, ob man den Begriff mollig verwenden kann. Ich kenne ihn noch aus jungen Jahren, als wir den Kaffee, den wir kochten, mit einen TL Tietzes Feigenkaffee würzten und dann sagten: Jetzt ist er mollig.
Alles in allem, es ist kein großer Wein, sein Preis ist angemessen, eher mäßig, aber er ist ein Erlebnis.

Alle Rechte am Foto bei Herbert Lehmann

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14 Kommentare

  1. Mollig klingt gut, irgendwie rund. :-)
    Und ich stimme dem Herrn Kröhn voll und ganz zu.
    Schönes Wochenende wünschen
    Eva und Herr H.

  2. Nie davon gelesen – nie davon gehört. Interessant !
    Blogg-Lesen bildet. Danke für die informative Beschreibung dieses bestimmt speziellen Weines !
    P.S. Und Herr Krön ist mir (unbekannterweise) sofort sympathisch ;-)

  3. Das mit dem gemischten Anbau ist neu für mich. Dann wird wohl an meinem früheren Wohnsitz auch so angebaut worden sein, im Weingarten, wo aber seit Menschengedenken keine Reben mehr stehen.
    Wein war ja früher kein Genuss-, sondern tägliches Lebensmittel, also war die Sorte wenig wichtig, ausser für den Ertrag, nehme ich an. Die Fermentation zu Wein diente zur Haltbarmachung des Rebensaftes. Im Thurgau und im Schaffhausischen, nehme ich an, ist und war zuwenig Sonne für die Trocknung der Trauben zu Rosinen/Weinbeeren.

  4. Und was ist nun die Erkenntnis? Dass eine Flasche für zwei Personen gut reicht oder ob man pro Person eine Flasche rechnen muss? ;-)

    • Falls sich dies auf meinen „glug glug“-Kommentar beziehen sollte, was ich annehme (sorry, again), möchte ich darauf aufmerksam machen, dass auch dieser Mensch nicht nur von Wein allein lebte. Der zu jener Zeit auf die Waage gebrachte Körper zeugte u.a. auch von den Weinkalorien.
      Antwort auf die Frage: Im Normalfall sollte 1 Fl pro Person reichen, ausser der Abend würde etwas länger.

      • Neinnein Houdini, das mit der Erkenntnis bezog sich auf den Titel «Gemischter Satz – eine neue Erkenntnis» und war eine kleine Anspielung auf den von Toettchen erwähnten Abend des kleinen Trinkgelages und gewissen Hintergrundinformationen, die ich habe und von denen halt nix im Artikel steht… ;-)

        • @ Eva – Euch auch ein schönes Wochenende!
          @ Basler Dybli – Bildung kommt ja auch von Bildschirm. Käme es von Buch, würde es Buchung heißen.
          @ Ilse – Ja, das schöne Burgenland, ein lauschiger Sommerabend, ein Wein ….
          @ Wilde Henne & Houdini – Man kann zwar zuviel trinken, aber man trinkt nie genug!

  5. Ach das Burgenland – ich verstehe praktisch nix vom Wein aber liebe ihn, und den aus dem Burgenland besonders. Schöner Artikel, man lernt dazu.

  6. „in former times“ war der gemischte satz eher regel denn ausnahme, erst seit die
    ampelographie von den mittlerweile recht easy durchführbaren techniken der genom-bestimmung profitieren kann, herrscht sorten-klarheit im weinberg! ob für zwei trinker eine 0,75/1l flasche nun die bessere wahl ist-es kommt drauf an! vom braven alltagswein langt mir oft ein glas, bei den lieblingsweinen von rayas, leroy, etc könnt ich gefühlt mindestens eine impi von trinken!

  7. impi als abkürzung für imperiale, ein flaschenformat von 6l.

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