Toettchen

Gemischter Satz – eine neue Erkenntnis

| 14 Kommentare

GroszerWein_GemSatz2013_freiEinst eine Alltäglichkeit ist er heute eine Rarität: der Wein vom Gemischten Satz. Einige wenige damit bestockte Parzellen gibt es noch im Fränkischen. Daraus gekelterter Wein kann den Weingenießer beglücken. Und den Naturschützer erfreuen.
Diesen Satz las ich vor einiger Zeit in einer Mitteilung der Arche des Geschmacks. Für jene, die die Arche nicht kennen sollten: Das internationale Projekt „Arche des Geschmacks“ der Slow Food Stiftung für Biodiversität schützt weltweit rund 1450 regional wertvolle Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen vor dem Vergessen und Verschwinden, die unter den gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen am Markt nicht bestehen oder „aus der Mode“ gekommen sind.
Gemischter Satz: Gesetzt werden verschiedene Rebsorten, auch weiße und rote, durcheinander in einem Weingarten und war einst die übliche Art des Weinbaus überall in Europa. Wahrscheinlich entstand diese Art der Kultivierung, um wenigstens einen Teil der Ernte bei schlechten Witterungsbedingungen, Rebkrankheiten oder Schädlingsbefall ins Fass zu retten.
In Deutschland gibt es wieder einige Winzer, die diesen Wein in Franken anbauen. Überwiegend wird er aber in Österreich produziert und hier vor allem in Wien und der Steiermark. Es gibt für die Wiener Weine eine eigene Bezeichnung: Der Wiener gemischte Satz. Dieser typische Wiener Wein wird seit Jahrhunderten in Wiens Weingärten gepflanzt, die mit bis zu 20 verschiedenen Rebsorten bestückt sind. Im Gegensatz zum Cuvee werden dabei mehrere Rebsorten gemeinsam angebaut und nach der Lese auch gemeinsam zu Traubenmost gekeltert und vergoren. Durch die unterschiedlichen Reifegrade und den unterschiedlichen Säuregrad der Rebsorten wollte man ursprünglich das Risiko minimieren und eine gleichbleibende Weinqualität sichern. Die Vorschrift für den gemischten Satz besagt, dass mindestens 3 Weinsorten zusammen und gekeltert werden müssen.
Nun bekam ich vor einigen Tagen als Gast das erste mal einen „Gemischten Satz“ angeboten. Er kam aber aus einer weiteren österreichischen Region: dem Südburgenland vom Eisenberg. Hier hat der gebürtige Würzburger Matthias Bach erfolgreich versucht, den Eisenberg in Flaschen zu füllen. Seine Name: Groszer Wein / Gemsichter Satz. Die Bezeichnung „Groszer Wein“ leitet sich übrigens vom Füllvolumen ab, denn es werden ausschließlich in 1-Liter-Flaschen verwendet, die bis vor etwa 40 Jahren das klassische Behältnis für Weine aus dem Südburgenland (und ganz Österreich) darstellten. „Aber nicht nur deshalb, sondern auch, weil eine 0,75-Flasche für zwei Personen immer zu wenig ist. Außerdem ist Wein im Südburgenland ein Genussmittel für jeden Tag und da passt in die kleine 0,75-Flasche einfach zu wenig hinein.“ (Zitat des Weinbauern Krön)
Dieser Wein hatte alle in der Runde begeistert. Wenn ich ihn beschreiben sollte, fällt mir nur ein Begriff dazu ein. Der gemischte Satz ist ein molliger Wein.
Ich weiß nicht, ob man den Begriff mollig verwenden kann. Ich kenne ihn noch aus jungen Jahren, als wir den Kaffee, den wir kochten, mit einen TL Tietzes Feigenkaffee würzten und dann sagten: Jetzt ist er mollig.
Alles in allem, es ist kein großer Wein, sein Preis ist angemessen, eher mäßig, aber er ist ein Erlebnis.

Alle Rechte am Foto bei Herbert Lehmann

Print Friendly, PDF & Email

14 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


*

Diese Seite benutzt Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmen Sie dem zu. Datenschutzerklärung