Toettchen

Eiserkuchen, Niejoaehrkes und Crêpes Dentelle

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In der letzten Zeit hatte ich in Frankreich eine Packung Crêpes Dentelle gekauft und für einen besonderen Anlass weggelegt. Ich wusste eigentlich nicht, was für ein Gebäck mich nun erwarten würde. Gestern war dann die Gelegenheit die Schachtel zu öffnen, und es war eine freudige Überraschung. Ein großartiger Geschmack, und die Röllchen zergingen auf der Zunge.
Aber woran erinnerte mich dieser Geschmack nur? Ich kannte ihn. Ja richtig: Niejoahrskoken oder auch liebevoll Niejoaehrkes genannt.
Niejoahrskoken oder auf Hochdeutsch „Neujahrskuchen“ war eines der Lieblingsgebäcke meiner Kindheit. Es gab sie nur einmal im Jahr, wie der Name sagt, zu Silvester und Neujahr. Ich habe dann gegoogelt und siehe da, das Rezept war das selbige.

Das Backen von Neujahrskuchen, oder in unserer Familie auch Eiserkuchen genannt, war um den Jahreswechsel herum eine Familientradition. Die Großeltern erzählten, dass früher am offenen Kamin oder der Feuerstelle die beliebten und duftenden, flachen und knackigen Niejoahrskoken gebacken wurden. Jeder Hof hatte in der Regel eigene Backeisen mit eingravierten Motiven, die meistens einen Bezug zur Familie, dem Ort oder besonderen Ereignissen aufwiesen. So fanden sich oft Namen und Initialen, Hochzeitsdaten, Wappen, Handwerkszeichen, Hofansichten, Windmühlen, Blumen auf den Platten. Wir hatten bereits ein elektrisches Eisen, welches ich auch heute noch besitze.
An den unterschiedlichen Gewürzen wie frisch gemahlener Zimt, Anis, Sternanis, Koriander und Kardamom ließen sich unverwechselbar die Eiserkuchen den einzelnen Familien zuzuordnen; denn jede Familie hatte ihr eigenes Rezept, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde.

Der traditionelle Teig wurde von den Frauen am Tag zuvor geknetet, der kurz vor dem Backen zu kleinen Teigkugeln, Rullen genannt, geformt wird. Das Eisen wurde vorgeheizt und bevor die Teigkugel eingelegt wurde, mussten zunächst die beiden Plattenflächen des Backeisens gefettet werden. Dazu nahm man eine Speckschwarte. Dieser Vorgang ist aber nur einmal vor Beginn des Backvorgangs erforderlich. Anschließend werden die Platten durch den Fettgehalt des Teigs gefettet. Beim Backen wurde das Eisen zusammengepresst, und der Teig fing an zu pfeifen. Dadurch entstand auch ein weiterer Name: Piepkuchen.
Das Eiserkuchenbacken war auch ein gesellschaftliches Ereignis für die ganze Familie, Freunde und Bekannten. Schon früh am Morgen ging es los und zog sich bis zum späten Abend hin. Da wurde so manches Pfeifchen geschmaucht und auch so manches Schnäpschen gekippt, so dass die „Bäcker“ und „Bäckerinnen“ ein ganz schönes Durchstehvermögen an den Tag legen mussten, um es bei der zusätzlichen enormen Hitze vor der offenen Feuerstelle aushalten zu können. Zwar wurde laufend abgewechselt, aber dennoch: es waren lange Tage. Wir Kinder erhofften immer etwas „Bruch“ vorab zu bekommen. Wie durch ein böses Geschick widerfuhr es immer dem Großvater, dass ein Kuchen zerbrach und gerade immer dann, wenn wir wieder bettelten.

Bei meinen Recherchen stieß ich dann auf vielfältige Formen des „Eiserkuchens“. In der Schweiz und in Österreich heißen sie Hippen oder Hüppen, und in verschiedenen Regionen existieren sie als Neujahrshörnchen, Krüllkuchen, Rullerkes, Neeijahrskook oder auch Krüllkoken oder auch Klemmkuchen. Im Rheinland heißen sie Neujährchen.
„Hippen sind Gebäcke aus einer dünnflüssigen Makronenmasse aus Zucker, Vollei oder Eiklar, der auch Butter oder Sahne und Mehl zugegeben werdenGewürzt wird die Hippenmasse u.a. mit Vanille, Zimt, Arrak, Zitrone oder Süßwein. Nach dem Auskühlen wird die Masse fest und ergibt ein splittrig mürbes Gebäck. Die Rezepturen sind vielfältig, enthalten aber immer Eiklar und Zucker. Die Besonderheit der Hippenmasse liegt in ihrer Verarbeitung, denn sie kann nach dem Backen heiß geformt (gerollt oder gebogen) werden, weil das Gebäck erst nach dem Abkühlen fest wird.“ (wikipedia)

Eiserkuchen
Zutaten

250 g Grümmel (gestoßener Kandis)
½ l Wasser
200g zerlassene Butter
500 g Mehl
1 Ei
Abrieb einer Zitronenschale
Zimt

Zubereitung
Aus den Zutaten einen Teig bereiten, Teigkügelchen formen und 2 – 3 Minuten im heißen Eiserkucheneisen backen. In einer Blechdose aufbewahren, sonst werden sie weich.
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Ein Kommentar

  1. Hallo,

    das Rezept klingt wirklich sehr lecker!!
    Jetzt fehlt mir nur noch das Eisen zum backen dieser leckeren Waffeln.
    Wo kann ich ein solches Mustereisen kaufen? Danke und liebe Grüße
    Bettina

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